Die Zukunft spricht IP

Bis zum Jahr 2018 will die Deutsche Telekom in Deutschland das ISDN-Netz abschalten. Viele Unternehmen müssen bis dahin ihre Telefontechnik umstellen. Wer jetzt clever plant, kann die Gelegenheit nutzen, bereits jetzt von neuen Services zu profitieren, die Effizienz zu steigern und Betriebskosten zu senken.

ISDN ist eigentlich eine deutsche Erfolgsgeschichte. Was in den 70er- und 80er-Jahren von Unternehmen wie Siemens federführend entwickelt wurde und damals als wichtiger Modernisierungsschritt für die Telekommunikationsnetze galt, hat seine beste Zeit bald hinter sich. Der Countdown läuft: Bis 2018 soll das öffentliche Telefonnetz in Deutschland komplett auf IP umgestellt sein. Dann will die Deutsche Telekom neben der Abschaltung der ISDN- Vermittlungssysteme auch die noch in Betrieb befindlichen ISDN-Anschlüsse zukunftssicher auf IP umstellen. Der wichtigste Grund dafür: Die Technik wird nicht mehr weiterentwickelt. Viele Hersteller von ISDN-Hardware – inklusive Vermittlungstechnik – haben angekündigt, ihren Support einzustellen.

An die Stelle von ISDN tritt die Sprachübertragung per IP-Technologie. Sämtliche Dienste wie Festnetztelefonie, Datenkommunikation, Videokonferenzen und Mobilfunk laufen dann über das sogenannte Next-Generation-Network, das auf dem Internet-Protokoll basiert. Dabei steht „All-IP“ für „ein Netz für alles“ und läutet ein neues Zeitalter ein: es ermöglicht die universelle Vernetzung von Telefonie- und IT-Technik.

Wenn die Telefone in Zukunft nicht stumm bleiben sollen, muss eine Alternative her. Laut der Studie „Business Insights 2015“ von „mm customer strategy“ nutzen aktuell 74 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland noch ISDN-Telefonanlagen und Analogtechnik für ihre Festnetztelefonate. Nur ein Teil der installierten Telefonanlagen ist auch IP-fähig und somit für die Umstellung gerüstet. Wer immer noch eine ISDN-Telefonanlage betreibt und einen ISDN-Anschluss bei einem Telekommunikationsanbieter hat, sollte sich frühzeitig damit befassen, wie eine zukunftsfähige Lösung aussehen kann. Insgesamt müssen nahezu vier Millionen Geschäftskundenanschlüsse auf IP umgestellt werden.

Top-Sprachqualität

Vor Qualitätsverlusten braucht sich dabei niemand zu fürchten. IP-Telefonie darf nicht verwechselt werden mit dem, was landläufig auch als Internettelefonie bezeichnet wird. Viele Anwender denken dabei an Telefongespräche, die sie über ihre Chat-Software führen können – oft mit mäßiger bis schlechter Tonqualität, da die Gespräche häufig zu stark komprimiert werden, um Kosten und Bandbreitenbedarf zu sparen. Bei diesen Lösungen läuft die Kommunikation zudem über das offene Internet.

Bei der Umstellung des öffentlichen Telefonnetzes auf IP kommt eine ähnliche Lösung zum Einsatz. Dort werden die übertragenen Telefongespräche über die eigenen Netze der Carrier geleitet, die sie vollständig überwachen und in denen sie immer ausreichend Bandbreite bereitstellen können für eine gute Tonqualität und Verständlichkeit. Einbußen bei der Sprachqualität sind deshalb nicht zu befürchten. Auch dank des vordefinierten Sprachstandards HD Voice (High Definition) erreicht die IP-Telefonie eine mit ISDN vergleichbar hohe Sprachqualität.

Vorteile der IP-basierten Kommunikation für Unternehmen

Die IP-basierte Telefonie eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten für den Arbeitsalltag. E-Mail, Telefon, Fax, Instant Messaging, Videokonferenzen und Web Collaboration sind innerhalb eines IP- Netzwerks über alle Geräte sofort und ohne Medienbrüche verfügbar – ob fester Arbeitsplatz oder mobiles Smartphone. IP beschleunigt die Kommunikation und standortübergreifende Zusammenarbeit. Zudem verschaffen All-IP-Anschlüsse den Unternehmen Kostenvorteile im Betrieb und Service der kompletten Leistung. Denn dadurch, dass Telefongespräche über dasselbe Netzwerk geführt werden, das PCs und Server miteinander verbindet, ist ein zusätzliches Telefonnetz nicht mehr erforderlich. Das entlastet die Administration und senkt die Kosten.

Vorteile für die Mitarbeiter

Auch aus Anwendersicht ist IP-Telefonie äußerst attraktiv. Eine Vielzahl neuer Funktionen erleichtert die tägliche Arbeit: per Mausklick Anrufe über den PC tätigen, Rufumleitungen auf Mobiltelefone, Sprachboxeinstellungen, Faxzustellungen per E-Mail und vieles mehr. Wechselt ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz, zieht sein Telefon mit allen Einstellungen und Funktionen automatisch um: Einloggen genügt. Ob Home-Office oder Auslandsreise: Auf Telefonfeatures muss er nicht mehr verzichten. Die Zeiten, in welchen ein Telefon an das Ende einer Leitung gebunden ist, sind vorbei. IP entfesselt den Mitarbeiter und begleitet ihn zu jeder Zeit an jeden Ort.

Neuen Anforderungen begegnen

Laut einer Studie des Analyse- und Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC) haben 85 Prozent der Unternehmen eine Neugestaltung und Modernisierung ihrer ITK- Arbeitsplätze auf der Agenda. Der Report zieht das Fazit, dass „60 bis 70 Prozent der deutschen Unternehmen mit ihren aktuellen Telefonielösungen hinsichtlich Integration, Mobilität und Flexibilität eher unzufrieden sind.“ Dabei spielen mobiles Arbeiten und Home-Office-Modelle eine immer stärkere Rolle. Teamarbeit wird virtuell und erfolgt oft über große Distanzen. Mit IP-Technologie kann die IT diese Herausforderungen lösen.

Beim Umstieg zu beachten

Der Aufbruch in die Zukunft der Telefonie ist jedoch nicht ganz kostenlos: Im Zuge der Modernisierung gilt es den aktuellen Festnetzanschluss sowie die bestehende Telefonanlage und Telefone daraufhin zu überprüfen, wie mögliche Migrationsszenarien aussehen können. Optionen sind beispielsweise die Beibehaltung der aktuellen Telefonanlage, der Wechsel auf eine IP-fähige Telefonanlage oder die Auslagerung der Telefonanlage (siehe Seite 7).

Bei speziellen Anwendungen, die noch über ISDN eingebunden sind, müssen zudem besondere Anforderungen beachtet werden. Dies betrifft zum Beispiel Faxlösungen, EC-Bezahlterminals, Alarmanlagen und Notrufsysteme. Auch hierfür gibt es in allen Bereichen Lösungen, doch kann der Technologiewechsel ein guter Anlass sein, das bisher eingesetzte System zu überdenken und durch ein besser passendes oder zukunftsfähigeres zu ersetzen. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, sich jetzt schon mit dem Thema zu beschäftigen und umfassend zu informieren. Denn noch bleibt genug Zeit, um auch Unvorhergesehenes abzufangen, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen und die beste Lösung zu finden.

Die Umstellung von ISDN auf IP bietet außerdem die Möglichkeit, einen Vertragswechsel vorzunehmen und zu einem anderen Carrier/Provider zu wechseln. Die Angebote auf dem Markt variieren und auch preislich gibt es große Unterschiede. Vergleichen lohnt sich.

Fazit

Dem Umstieg auf IP-Telefonie steht deshalb auch im Unternehmensbereich kein grundsätzliches Hindernis im Weg. Viele gute Argumente wie eine Senkung der Betriebskosten, einfachere Kommunikationswege und weniger Administration sprechen vielmehr dafür, sich bald damit auseinanderzusetzen und die Umstellung zügig einzuleiten. Damit die Telefone auch in Zukunft klingeln.

Quelle: Funkschau / Telefonica Germany

Kommentare sind geschlossen..